Der Schall – Segen und Fluch zugleich

Dr. Helga Petrov

Ein Beitrag auf der 2. Informationsveranstaltung der BI am 26.03.2023, Gut Sarnow

In diesem Vortrag wurden verschiedenste Schallphänomene vorgestellt, wie sie der menschliche Organismus wahrnimmt. Wunderbare Hörerlebnisse aus der Natur und der Musik wurden unangenehmen und schädlichen Geräuschen gegenübergestellt. Hörbare Reize, die wir bewusst und unterbewusst wahrnehmen, wurden aufgezeigt.

So hört zum Beispiel eine stillende Mutter ihren schreienden Säugling bewusst.


Gleichzeitig werden untere Hirnareale aktiviert, von denen Botenstoffe ausgeschüttet werden, die die Milch in die Brustdrüsen einschießen lässt – ein Prozess, den die Mutter mit ihrem Bewusstsein nicht beeinflussen kann, weil er auf instinktiver Ebene abläuft.

Das Rauschen der Meereswellen wird von den Menschen allgemein als beruhigend wahrgenommen. Wenn die Meereswellen aber größer werden, nimmt deren tieferer Schallanteil bis hin in den Infraschallbereich zu, der bei den Säugetieren und so auch bei den Menschen Fluchtreaktionen auslöst – ein Verhalten, das evolutionär angelegt ist.

Im Allgemeinen können wir Frequenzen zwischen 16 Hz und 20000 Hz hören. Oberhalb von 20000 Hz liegt der Ultraschallbereich, in dem zum Beispiel Fledermäuse und Delphine kommunizieren. Das Schnurren einer Katze hören wir nur zum Teil, der nicht hörbare Anteil liegt schon weit im Infraschallbereich.


Mit höherer Frequenz nimmt die Reflexion an Grenzflächen zu, was als Prinzip für Ultraschalluntersuchungen genutzt wird.

Im Infraschallbereich durchschlägt der Schall Wände, Fenster, Erdboden und Seen mit nur geringer Schallabschwächung. Die Schallausbreitung in den verschiedenen Medien geschieht mit unterschiedlicher Geschwindigkeit. Diese Geschwindigkeit ist davon abhängig, wie eng die Moleküle in dem Medium „gepackt“ sind, die der Schall in Schwingung bringt. Nur im Vakuum erfolgt keine Schallausbreitung, weil es darin keine Moleküle gibt.

Windenergieanlagen senden nicht nur gepulsten hörbaren Schall, sondern auch gepulsten Infraschall aus. Der gepulste Schall entsteht, wenn der Rotor am Mast vorbei streicht. Wie bereits erwähnt, breitet sich der Schall, besonders sei hier der Infraschall genannt, nicht nur über die Luft aus, sondern auch über andere Medien – vom Windradmast aus Beton und Stahl gelangt der Schall über den Erdboden in ihre Häuser, in ihr Schlafzimmer, in ihr Bett, in ihr Kopfkissen und, verstärkt durch die Knochenleitung des Schädels, bis in ihr Innenohr. Im Innenohr befinden sich das Hörorgan und das Gleichgewichtsorgan. Das Gleichgewichtsorgan kann durch Infraschall gereizt werden und sendet seine Information an das zentrale Nervensystem weiter.
Außerdem treten unsere inneren Organe, Muskeln und Knochen im niedrigen Infraschallbereich in Resonanz mit diesen Schallwellen und können so in Schwingung geraten.

Was häufig nicht erwähnt wird, dieses Schallereignis passiert andauernd – Stunde um Stunde, Tag um Tag, Jahr um Jahr. Denken Sie an einen tropfenden Wasserhahn:

obwohl das Geräusch vom Schallpegel her nicht mehr als 20 dB aussendet und somit unterhalb der Zimmerlautstärke liegt, kenne ich persönlich keinen Menschen, den dieses Geräusch nicht nervt, ganz besonders wenn es sonst leise ist. Es gibt Schallphänomene, die gar nicht so laut sind, aber durch ihre ständige Wiederholung die Menschen nicht loslassen – ja sogar nerven.

Herr Teut, Erbauer und Betreiber von Windenergieanlagen, sagte uns in einem Gespräch im Februar diesen Jahres, dass wir als Bürger keinen Rechtsanspruch darauf haben, dass wir in unserem Dorf die Ruhe behalten, wie sie jetzt ist.
Damit hat er recht. Das haben wir auch nicht, wenn der Lärm nicht eine gewisse Grenze überschreitet, die in der Technischen Anleitung (TA) Lärm und der Technischen Anleitung Interimsrichtlinie (TAI) Lärm festgelegt ist. Was den hörbaren Schall betrifft, können wir uns ins Haus begeben und so die auf uns einwirkende Geräuschbelästigung verringern.


Anders ist es beim Infraschall, der in einem gewissen Umkreis von der Schallquelle alles durchdringt. Einige Menschen im Umkreis von Windenergieanlagen leiden unter bestimmten Symptomkomplexen, die besonders auf eine Reizung des Gleichgewichtssinns mit den entsprechenden Folgen zurückzuführen sind. Außerdem können Ängste ausgelöst werden – denken wir, wie oben beschrieben, an die hohen Meereswellen mit ihrem brausenden tieffrequenten Schall.

Als Arzt halte ich es nicht für gerechtfertigt zu behaupten, diese Menschen erwarten etwas Negatives von Windenergieanlagen, also tritt es auch ein – der sogenannte Noceboeffekt. Dieses Argument wird häufig von Befürwortern von Windenergieanlagen angeführt. Mediziner können diesen immer wieder genannten Symptomen der Patienten bestimmte Organsysteme zuordnen, was einem Laien sicher nicht so einfach möglich ist.


Nur weil man durch mangelndes Wissen und mangelnder Studienlage nicht alles erklären kann, sind die Betroffenen noch lange keine Simulanten oder psychisch auffällige Persönlichkeiten.

Nur weil der Schall in diesen Fällen unterhalb der sogenannten Wahrnehmungsschwelle liegt, bedeutet es nicht, dass durch den Betrieb einer Windenergieanlage nichts Schädigendes emittiert und von Menschen aufgenommen werden kann.
Mich erinnert das oft an das klassisches Spiel von Eltern mit ihren Kleinkindern: „Ich sehe dich nicht, du siehst mich auch nicht.“

Sind uns diese Menschen nicht wichtig? Sollen sie bei der Energiewende auf der Strecke bleiben?

Viele Studien enden mit den Worten, es besteht dringender Forschungsbedarf.
Viele Studien sind nicht korrekt angelegt, weil zum Beispiel Messmethoden verwendet werden, die den gepulsten Infraschall mit dem steilen Amplitudenanstieg gar nicht messen und somit auch nicht darstellen können. Oder es werden Studien angelegt, die nicht mit gepulstem Infraschall durchgeführt werden … und so weiter und so fort.

Als Arzt mahne ich an, dass wir in der Nähe von Wohngebieten in großem Stil eine Technologie in die Breite tragen, ohne die daraus entstehenden Effekte

auf die Gesundheit der Menschen mit der gebührenden Sorgfalt erforscht und geprüft zu haben.

Im UN-Sozialpakt, den auch Deutschland unterzeichnet hat, ist das Recht der Menschen auf Gesundheit verankert. Der Staat hat Schutzpflichten gegenüber seinen Bürgern und der sie umgebenen Umwelt. Die WHO stellt besonders unsere Kinder unter Schutz. Auch dieser Part ist von Deutschland ratifiziert worden.

Meiner Meinung nach sollte der Staat nicht primär die Industrie, sondern die unabhängige Wissenschaft finanziell fördern und subventionieren. Derzeit bestimmt die Industrie in hohem Maße über die Vergabe von Drittmitteln für Studien und dadurch darüber, was erforscht werden soll und was nicht. Ohne Geld gibt es keine Forschung. Warum soll die Industrie Geld für Themen bereitstellen, die sie primär nicht interessiert oder sogar stört. Dieses Vorgehen würgt wichtige Forschungen seit Jahren ab.

Ich sehe hier den Staat in der Pflicht, endlich diesen Pfad zu verlassen.
Niemand würde einen Bock zum Gärtner machen. Eine unabhängige, objektive und langfristige Forschung zum Schutze der Menschen, der Umwelt und somit auch zur breiten Entwicklung der erneuerbaren Energien ist endlich gefragt.

Das Potential besitzt unser Land.

0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar